Kleine Baumeister

Nach einem geruhsamen Sonntag nur mit Juliane, der Chefin, den Tieren, Sonnenschein und Nordseebrise wird es am Montagmorgen direkt wieder betriebsam. Zehn Kinder kommen zum Baumeister-Ferienprogramm: Eine Woche lang sind die zehn Kinder jeden Vormittag auf Tomtes Hof und wollen einen Fressplatz-Unterstand für die Esel und Pferde bauen. Da staunt Lambert nicht schlecht: „Ja, kennt ihr euch denn mit dem ganzen Baukram aus?“, fragt er die Kinder interessiert. Aber Simon, Timo und Flo, die Betreuer des Ferienprogramms, sind ganz zuversichtlich, schließlich haben sie einen Bauplan und alles Material ist schon zugeschnitten. Da wird der Boden vermessen, Löcher für die Träger gebuddelt, geschraubt und gehämmert, gebohrt und geraspelt.

Lamberta ist tief beeindruckt: „Sind das fleissige Kinder!“ Lambert und sie lassen sich anstecken und helfen kräftig mit. Zwischendurch gibt es schöne Pausen mit leckerem, Frühstück, spielen, schaukeln und rutschen, Schafe kuscheln und Pfefferminztee aus dem Garten – den kocht Leon am liebsten und das bei jedem Ferienprogramm, zu dem er hier sein kann. Denn solche Wochenbetreuungen gibt es auf Tomtes Hof in den Ferien ganz viele, finden Lambert und Lamberta heraus. Im Programmheft, das die beiden in der Mittagsstunde ansehen, finden sie auch eine Schaf-Woche – wie toll!

Viele Kinder waren schon oft dabei und fühlen sich auf Tomtes Hof und seinen Tieren pudelwohl. Kein Wunder, finden Lambert und Lamberta.

Doch bevor der Futterunterstand fertig ist, ziehen Lambert und Lamberta schon weiter. Die Kinder versprechen, ihnen Fotos vom fertigen Bauwerk zu schicken, auf Facebook kann man nächste Woche bestimmt auch davon lesen, erklärt Simon.

Dann müssen sich Lambert und Lamberta noch von Tomte, den Menschen und Tieren auf Tomtes Hof verabschieden. „Es war schön hier auf dem Hof, herzlich und entspannt. Jetzt wollen wir nochmal in den Süden reisen, Richtung Freiburg auf den Häuslemaierhof und Grüße von Juliane an Emily und Martin überbringen.“

Indianergeburtstag

Es ist ein gewöhnlicher Mittwochnachmittag auf Tomtes Hof. Lambert und Lamberta kennen sich mittlerweile schon ganz gut auf dem Gelände und mit den Tieren und den Mitarbeitern aus. Doch heute scheint etwas anders zu sein. Die FÖJlerin Greta kommt Lambert etwas aufgeregt vor. „Hey, du scheinst nervös zu sein, kann ich dir irgendwie helfen?“, fragt er sie. „Danke, alles gut,“ antwortet sie, „ich bin nur gespannt auf die Kinder, die gleich auf den Hof kommen. Hier möchte heute ein Mädchen ihren Geburtstag feiern und ich werde sie und ihre Gäste dabei begleiten. Es wird um Indianer gehen und wie diese die Natur und die Tiere wertschätzen und ehren. Tomte, unser Hofwicht, wird natürlich auch eine Rolle spielen, genauso wie die Tiere, die hier leben. Da fällt mir auf, dass du und Lamberta vielleicht doch helfen könntet!“ Die beiden Besucher sind einverstanden und begrüßen die Gäste gemeinsam mit Greta in der Heu- und Strohecke. Das Vorstellen geht ganz fix und schnell entsteht eine lockere Stimmung. Nachdem Kuchen gegessen und Geschenke ausgepackt wurden, geht es raus auf den Hof, um Spiele zu spielen und dabei die Natur und ihre Bewohner kennenzulernen. Mit der Hilfe von Lambert und Lamberta wird jede Aufgabe spielerisch gelöst und das Füttern von den Hühnern und den Eseln zum Kinderspiel.

Gegen Abend gibt es noch einen kleinen Snack und schon werden alle Kinder abgeholt – natürlich erst, nachdem sie sich von Lambert und Lamberta verabschiedet haben. „Puh, das war eine wilde Truppe! Aber toll, wie schnell sie gelernt haben, wie man richtig mit Tieren und Pflanzen umgeht“, schmunzelt Lambert beim Abschied. „Das sehe ich genauso, sie werden sich bestimmt noch lange an den heutigen Tag erinnern. Ich werde das zumindest tun“, sagt Lamberta und winkt den Kindern hinterher.

Mit dem Buddy durchs Jahr

An einem sonnigen Samstag auf Tomtes Hof lernen Lambert und Lamberta eine Gruppe von Kindern kennen, die von Sina, Greta und Ingrun begleitet werden. Sie machen einen gemütlichen Sitzkreis und Ingrun lädt die beiden Schafe ein, sich zu der Gruppe zu gesellen. Ingrun stellt erst Lambert, dann Lamberta vor, die neugierig damit beginnen, die Kinder auszufragen: „Huhu, wer seid ihr denn? So viele Kinder auf einmal! Euch möchten wir kennenlernen! Was macht ihr hier auf Tomtes Hof?“ Erst zaghaft, doch dann immer herzlicher beginnen die Kinder, sich vorzustellen. Klara* erzählt, dass sie gemeinsam mit den anderen seit einem ganzen Jahr immer am ersten Samstag im Monat auf Tomtes Hof kommen und Zeit mit den Tieren verbringen, Dinge für den Hof basteln und vor allem ihre Buddys besuchen. „Buddys? Was meint ihr damit? Sind das etwa Tiere?“, fragt Lambert sofort. „Ja genau, jeder von uns hat sich beim ersten Treffen ein Tier als Buddy, also als Partner oder Freund ausgesucht und unseren Buddy besuchen wir immer am Anfang und am Ende von unseren Treffen“, plappert Friederike* drauf los. „Mein Buddy ist die kleine Eselstute Keiju“, ruft Calvin* stolz. „Wir haben das Schaf Lothar als Buddy“, sagen Melina* und Sophie* wie aus einem Mund. Nach kurzer Zeit kennen die beiden Besucher jedes Kind und jeden Buddy beim Namen und auch Lambert und Lamberta erzählen ein bisschen über ihre Reise und die verschiedenen Höfe, die sie schon besucht haben. Gemeinsam wird geredet, herumgealbert und sogar gesungen. Der Vormittag vergeht wie im Flug. Zum Mittag wird lecker gegrillt, da hilft Lamberta ganz fleißig mit und nachmittags wird viel Zeit mit den Tieren vom Hof verbracht. Als es auf das Ende des Tages zugeht, besucht jedes Kind seinen oder ihren Buddy und Lambert und Lamberta winken kräftig zum Abschied. „Was für eine tolle Truppe“, seufzt Lamberta. „Ja, es war wirklich schön, so einen aufgeweckten Haufen verspielter Menschen kennenzulernen“, antwortet Lambert mit einem Lächeln im Gesicht.

(* Namen von allen Klienten geändert.)

Mutig und glücklich werden

Als die beiden Schäfchen erwachen, erwacht auch das Leben wieder auf dem Hof. Als erstes kommt heute Natascha*: sie ist auch aus Bayern gekommen, aber auf vier Rädern, denn sie hat nur zwei Beine. Natascha macht ein Praktikum hier. Sie möchte Fachkraft für Tiergestützte Intervention werden, macht dafür eine Weiterbildung und schaut den Menschen und Tieren hier auf Tomtes Hof über die Schulter. A propos: Tomte. „Sag mal Natascha, warum heisst der Hof eigentlich Tomtes Hof und wer ist denn eigentlich Tomte?“ Natascha hat sich die Frage auch gestellt, kann sie aber inzwischen beantworten: Tomte ist der Hofwicht, der nachts auf die Tiere aufpasst. Er schläft tagsüber bei den Katzen auf dem Heuboden. Nur Tiere und Kinder können ihn sehen. „Ach, ich glaube, ich habe ihn letzte Nacht hier laufen sehen und singen hören“, sagt Lamberta. Lambert hat ja tief und fest geschlafen. Lamberta fragt nun alle Mitarbeiter, wie Tomte denn aussieht, aber die sind ja nun alle erwachsen und haben ihn noch nie gesehen – aber sie erzählen, dass sie ihn trotzdem spüren können. Das finden Lambert und Lamberta ganz wunderbar. Trotzdem wollen sie wissen, wie er aussieht. Da hat Marianne, die Sozialpädagogin, einen guten Vorschlag: „Am Nachmittag kommt Jens*. Jens ist ein Junge, der einmal in der Woche zu uns kommt und einen Nachmittag hier verbringt. Ich helfe den Eltern bei der Erziehung und Jens dabei, sich selber besser kennen zu lernen, mutig zu werden und glücklich zu sein. Das Jugendamt in Norden unterstützt uns dabei. Wir können Jens mal fragen, ob er Tomte schon mal gesehen hat und ihn beschreiben kann.“

Das ist ein guter Vorschlag, finden Lambert und Lamberta, „dann helfen wir bis dahin noch Sabine*!“ Die streicht gerade einen Balken in Signalfarben an. „Sowas habe ich noch nie ausprobiert“, ruft Lambert. „Na, dann“, sagt Sabine, „bitte, hier ist der Pinsel, versuche es mal.“ Lamberta ist stolz auf ihren Lambert. Denn wer hat schon ein Schaf streichen sehen?

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Dann ist es aber Zeit für eine gemütliche Mittagsruhe. Als Jens kommt, bestürmen sie ihn gleich mit der Frage nach Tomte. Jens hat ihn leider auch noch nicht gesehen. Aber Jens ist supernett, finden Lambert und Lamberta, und sie beschließen den Nachmittag mit ihm und Marianne zu verbringen: er zeigt ihnen zum Beispiel wie man Heu abwiegt und die Heutonne befüllt. Dann bringt er mit ihnen Heucobs zu Ella, das ist die alte Eselstute auf dem Hof. „Sie hat nur noch ganz wenig Zähne und deshalb bekommt sie eingeweichtes und klein geschnittenes Heu“, erklärt Marianne. Da staunen Jens, Lambert und Lamberta. Als sie so bei Ella stehen, fällt ihr Blick auf die Esel, die haben ein neues Sandbad und dösen dort gemütlich. Lambert wundert sich über die langen Ohren. „Das muss ja tierisch laut sein, wenn der Wind hier immer pustet!“ Lamberta und er stellen mal probehalber eines der Ohren auf, das geht nicht so einfach, Jens und Marianne helfen ihnen: „Was für ein Geheule“, klagt Lamberta und klappt das Ohr schnell wieder ein.

Da hat Jens schon die nächste Idee: „Ich zeig euch mal die neuen Küken von Venus. Wir können ja ein bisschen Gras für sie pflücken und verfüttern“, schlägt er vor. Doch die Küken wollen das Gras gar nicht fressen, sie machen es sich darauf gemütlich. Wer hätte das gedacht? Jens ist selig und beschließt einen schönen Nachmittag auf Tomtes Hof. Nächste Woche ist er wieder da – er kommt regelmäßig einmal die Woche und wird hier betreut. Auf Tomtes Hof gibt es fünf Betreuungsplätze für Kinder, die Hilfe zur Erziehung benötigen. Das finden Lambert und Lamberta ganz klasse. Lämmer brauchen sowas in der Regel nicht, obwohl – „Erinnerst Du Dich an das Lamm auf dem Deich, bevor wir auf Tomtes Hof kamen?“, fragt Lamberta Lambert. „Das hätte durchaus auch mal ein paar besondere Extra-Stunden brauchen können.“ „Tschüss“, ruft Jens, „bis nächste Woche!“ Und er kann es jetzt schon nicht mehr abwarten, dass endlich wieder Dienstag ist.

(* Namen geändert.)

Sommer in Ostfriesland

Aus dem tiefsten Bayern sind Lambert und Lamberta nach einem langen langen Marsch in Ostfriesland gelandet. Puh, hier weht ja direkt mal ein Wind, wie angenehm kühl bei dem heißen Sommerwetter! Nun sitzen die beiden erstmal völlig ermattet im Stroh und ruhen sich aus. Es ist noch arg früh am Morgen und auf TOMTEs HOF schläft noch alles.

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Lamberta erzählt: „Wir wollten als nächstes zu Tomtes Hof, denn dort in der Nähe ist ja Lambert geboren. Er war schon ganz aufgeregt, alles roch nach Heimat, das Meer, der weiter Himmel und dieses wunderbare Wolkenspiel am Himmel. Ich wusste ja nicht, was er meinte, alles platt hier und keine Berge in Sicht.“

Lamberta nimmt einen Happen Heu und kaut genüsslich. Lambert fragt sie: „Ach Lamberta, schmeckt das Heu hier nicht wunderbar? Das haben die Leute hier selber gemacht, hat mir gerade die Ziege Alma erzählt. Auf dem Marschboden direkt am Meer wächst besonders gehaltvolles Gras. Lecker, oder?!“

Langsam erwacht das Leben auf dem ostfriesischen Gulfhof – so heißen die alten Höfe in Ostfriesland –, die Hähne beginnen zu krähen, die Ziegen recken und strecken sich und die Katzen kommen angeschlichen: „Bald kommen die Menschen und dann gibt es was zu fressen“, verraten sie. Da sind wir mal gespannt und huch, da kommt ein Hund angesaust. „Das ist Speedy“, erklären die Katzen. Ina und Speedy sind die Hofhunde und furchtbar nett. Mit ihnen tauchen Juliane, die Hofchefin, Sina, die Sozialpädagogin, Daniela und Timo, die Azubis und Greta, die FÖJLerin auf. Hui, viele Menschen sind das hier! Und sie verraten, dass gleich noch fünf weitere Erwachsene dazukommen, die hier eine Eingliederungsmaßnahme machen. Ivo, der kecke Kater, erklärt: „Das sind Menschen, die eine geschützten Rahmen brauchen, um sich wieder ans Arbeiten und an das Zusammensein mit anderen Menschen zu gewöhnen. Und die Mitarbeiter und Tiere hier auf dem Hof helfen ihnen dabei, wieder auf die Füsse zu kommen, Selbstvertrauen zu entwickeln, sich zu entfalten und zu stärken.“ „Coole Sache“, meint Lambert.

Die ganzen Menschen füttern jetzt die Hoftiere und misten ihre Ställe aus. Lambert und Lamberta lernen die Kaninchen kennen, die Hühner, die Ziegen, die Schafe, die Pferde und die Esel. Die Wollschweine dürfen die beiden sogar mitbürsten: „Das sind vielleicht große Tiere und sie haben auch Fell! Sie heißt doch tatsächlich Wolle, ist aber lange nicht so flauschig wie unsere Wolle. Die Bürste mussten wir zu zweit halten, die war so groß. Aber Fredrike hat es sehr genossen und ganz laut gestöhnt.“

Dann sind die beiden erstmal erschlagen und lassen es sich in der herrlichen Sonne mit Nordseebrise gut gehen: Marsch-Gras knabbern und in Ruhe käuen und dösen lässt es sich mit Tomtes Schafen ganz wunderbar. Da fällt Lamberta ein: „Sag mal, Lambert, warum heißt der Hof eigentlich Tomtes Hof? Hast Du schon jemanden mit dem Namen Tomte gesehen?“ Aber Lambert ist schon eingeschlafen…

Klettern mit Peppermint Patty

Jetzt sind Lambert und Lamberta aber auch sehr gespannt auf die Lamas vom Kaindlhof, von denen sie schon gehört haben. Also trauen sie sich durch den großen Stall direkt auf die Lamaweide. Dort werden sie schon von den Lamas erwartet. Neugierig kommen alle angerannt und beschnuppern die beiden. Die Schäfchen mögen Lamas, denn sie sind, obwohl sie so groß und auch neugierig sind, sehr vorsichtig und halten gerne erstmal Distanz zu unbekannten Sachen. So haben beide Seiten ausgiebig Zeit, sich anzuschauen, bevor der erste Kontakt stattfindet. Amy ist die Chefin in der Stutenherde und gemeinsam mit ihrer Tochter Holly natürlich auch die Erste, die Lambert und Lamberta in Augenschein nehmen. Als sich die vier ausgiebig beschnuppert haben, widmen sich alle schnell wieder dem frischen Gras.

Im Gehege nebenan leben die fünf Ziegen des Kaindlhofes. Lambert und Lamberta verstehen sich sofort sehr gut mit der kleinen Zwergziege Peppermint Patty, immerhin sind sie fast gleich groß. Auch Leitziege Lotta kommt neugierig näher und schon bald klettern Schafe und Ziegen gemeinsam auf dem Spielplatz der Ziegen umher. Das macht Spaß und Lambert und Lamberta werden richtig übermütig und versuchen die Kapriolen der Ziegen nachzumachen. Ganz so geschickt und kletterfreudig sind sie dann aber doch nicht, also sitzen sie bald gemütlich auf dem Holzwagen und lassen sich die frischen Äste schmecken. Gemeinsam lassen sie so den Tag ausklingen, Lambert und Lamberta müssen ja schon bald wieder los zum nächsten Hof.

Beim Rausgehen entdecken sie noch das Begegnungshofschild an der Stallwand und nach einem gemeinsamen Foto geht die Reise weiter. Nächste Station: Tomtes Hof!

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