Huhn im Haus

Nachdem sie über den Paddock gegangen sind, kommen sie zu einem Tiergehege, in dem eine Herde Ziegen lebt. Der Ziegenbock Harry steht am Zaun und meckert. „Immer diese Schafe, seid ihr schon wieder ausgebüchst? Husch husch, zu eurer Herde! Ungehörig, einfach so hier an meinem Gehege rumzulaufen.“

Harri

Schnell gehen Lamberta und Lambert weiter, bis sie auf eine sehr alte Ziege treffen, die  außerhalb des Geheges steht. Sie frisst eine wohlriechende… „Pampe?“, fragen sich die zwei Schafe verdutzt, als sie in die Schüssel schauen. „Moin“, sagt die Ziege, „ich bin Rosita.“ „Guten Tag“, erwidert Lamberta, „sag mal, was frisst du denn da?“ „Das sind Heucobs. Ich habe nämlich fast gar keine Zähne mehr, aber die Menschen sind so freundlich und bringen mir immer eine Extramahlzeit. Dafür habe ich ihnen, als mir mal ein Zahn ausgefallen ist, diesen geschenkt. Die Menschen machen immer Führungen über unser Gelände und die Kinder sind ganz begeistert von meinem Zahn“, sagt sie stolz.

Lambert und Lamberta gehen weiter. „Ob es hier auch Schafe gibt?“, fragt sich Lamberta. „BESUCHER!!!“, ruft es plötzlich aus einem Gebüsch und Lambert und Lamberta sind von mindestens zehn Hühnern umzingelt. „Haben sie Kekse???“, ruft eine Henne. „Oder Brötchen??“, eine Andere. „Nein, diese beiden haben nichts dabei“, grölt eine weitere Henne und genau so schnell wie sie da waren, gehen die Hühner auch wieder ihrer Wege. Die meisten legen sich wieder in ein Gebüsch, andere machen ein Sandbad in einem der Sandlöcher und bleiben danach mit ausgebreiteten Flügeln liegen.

Hühner

„Entschuldigung“, sagt Lamberta verlegen zu einem vorbeigehenden Huhn. „Leben auf diesem Hof auch Schafe?“ „Schafe? Natürlich! Kommt mit, ich bringe euch hin. Ihr müsst wissen, wir Hühner kennen jedes Tier hier auf dem Hof, denn wir laufen über das ganze Farmgelände und dürfen überall hin.“ „Überall? Auch in die Häuser?“, fragt Lambert. „Ja natürlich“, sagt die kleine weiße Henne. „Meine Freundinnen trauen sich zwar nicht. Aber ich, ich mache fast täglich einen Kontrollgang durch das Kindercafe. Manchmal liegen dort nämlich Tüten mit Brot, die uns liebe Besucher bringen.“ „Und die Menschen erlauben das?“ „Ach, die Menschen“, schmunzelt die kleine Henne, „die finden meist nur einen Klecks von mir. Weil sie immer so schrecklich viel zu tun haben, merken sie gar nicht, wenn ich die Futterspenden kontrolliere.“

Melita

„Da sind sie!“, ruft Lamberta freudig und läuft los. Auf einer hügeligen Weide hat sie sieben Schafe entdeckt. „Das sind Leo und Leonie, Daniel, Polly, Vita, Betty und Tiffi“, stellt die Henne die Schafe vor. „Und ich heiße übrigens Melita.“ Lambert und Lamberta bedanken sich herzlich und wenden sich der Herde zu. Neugierig werden sie betrachtet und ausgefragt. Denn es kommt schließlich nicht ständig ein Schaf auf Wanderschaft vorbei. So erzählen die Reisenden ihren Artgenossen von den verschiedenen Höfen und was sie dort schon alles erlebt haben.

Und auch die Schafe der Stadtteilfarm erzählen von ihrer Arbeit mit den Kindern, die sie oft besuchen, von wunderbaren Bürstenmassagen und Ausflügen zur Apfelwiese. Sie sind glücklich mit dem Leben, das sie hier führen.

Als Lamberta so inmitten der Schafherde steht, bekommt sie doch ein bisschen Heimweh nach ihrer Herde in Lamahausen. Sie und Lambert waren ja auch eine ganze Weile unterwegs – als sie sich kennengelernt haben, hat es noch geschneit und jetzt ist der Sommer schon auf seinem Höhepunkt angelangt. Also schlägt Lamberta ihrem Freund vor: „Wir waren ja jetzt auf allen Begegnungshöfen, die es bisher gibt im Bündnis Mensch & Tier. Was hältst du davon, wenn wir jetzt so langsam wieder aufbrechen und zurück zu meiner Herde wandern? Ich bin ganz neugierig, was dort alles passiert ist, seit wir in die weite Welt gezogen sind, und ich vermisse meine Freunde dort auch ein bisschen. Außerdem habe ich gehört, dass es in Lamahausen bald ein großes Fest gibt, wollen wir dort nicht auch mitfeiern?“ Lambert ist einverstanden und so machen sich die beiden kleinen Schafe aus dem Norden wieder auf den Weg in die Rhön – nicht, ohne sich von allen Menschen und Tieren auf der Stadtteilfarm herzlich zu verabschieden.

Mutig und glücklich werden

Als die beiden Schäfchen erwachen, erwacht auch das Leben wieder auf dem Hof. Als erstes kommt heute Natascha*: sie ist auch aus Bayern gekommen, aber auf vier Rädern, denn sie hat nur zwei Beine. Natascha macht ein Praktikum hier. Sie möchte Fachkraft für Tiergestützte Intervention werden, macht dafür eine Weiterbildung und schaut den Menschen und Tieren hier auf Tomtes Hof über die Schulter. A propos: Tomte. „Sag mal Natascha, warum heisst der Hof eigentlich Tomtes Hof und wer ist denn eigentlich Tomte?“ Natascha hat sich die Frage auch gestellt, kann sie aber inzwischen beantworten: Tomte ist der Hofwicht, der nachts auf die Tiere aufpasst. Er schläft tagsüber bei den Katzen auf dem Heuboden. Nur Tiere und Kinder können ihn sehen. „Ach, ich glaube, ich habe ihn letzte Nacht hier laufen sehen und singen hören“, sagt Lamberta. Lambert hat ja tief und fest geschlafen. Lamberta fragt nun alle Mitarbeiter, wie Tomte denn aussieht, aber die sind ja nun alle erwachsen und haben ihn noch nie gesehen – aber sie erzählen, dass sie ihn trotzdem spüren können. Das finden Lambert und Lamberta ganz wunderbar. Trotzdem wollen sie wissen, wie er aussieht. Da hat Marianne, die Sozialpädagogin, einen guten Vorschlag: „Am Nachmittag kommt Jens*. Jens ist ein Junge, der einmal in der Woche zu uns kommt und einen Nachmittag hier verbringt. Ich helfe den Eltern bei der Erziehung und Jens dabei, sich selber besser kennen zu lernen, mutig zu werden und glücklich zu sein. Das Jugendamt in Norden unterstützt uns dabei. Wir können Jens mal fragen, ob er Tomte schon mal gesehen hat und ihn beschreiben kann.“

Das ist ein guter Vorschlag, finden Lambert und Lamberta, „dann helfen wir bis dahin noch Sabine*!“ Die streicht gerade einen Balken in Signalfarben an. „Sowas habe ich noch nie ausprobiert“, ruft Lambert. „Na, dann“, sagt Sabine, „bitte, hier ist der Pinsel, versuche es mal.“ Lamberta ist stolz auf ihren Lambert. Denn wer hat schon ein Schaf streichen sehen?

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Dann ist es aber Zeit für eine gemütliche Mittagsruhe. Als Jens kommt, bestürmen sie ihn gleich mit der Frage nach Tomte. Jens hat ihn leider auch noch nicht gesehen. Aber Jens ist supernett, finden Lambert und Lamberta, und sie beschließen den Nachmittag mit ihm und Marianne zu verbringen: er zeigt ihnen zum Beispiel wie man Heu abwiegt und die Heutonne befüllt. Dann bringt er mit ihnen Heucobs zu Ella, das ist die alte Eselstute auf dem Hof. „Sie hat nur noch ganz wenig Zähne und deshalb bekommt sie eingeweichtes und klein geschnittenes Heu“, erklärt Marianne. Da staunen Jens, Lambert und Lamberta. Als sie so bei Ella stehen, fällt ihr Blick auf die Esel, die haben ein neues Sandbad und dösen dort gemütlich. Lambert wundert sich über die langen Ohren. „Das muss ja tierisch laut sein, wenn der Wind hier immer pustet!“ Lamberta und er stellen mal probehalber eines der Ohren auf, das geht nicht so einfach, Jens und Marianne helfen ihnen: „Was für ein Geheule“, klagt Lamberta und klappt das Ohr schnell wieder ein.

Da hat Jens schon die nächste Idee: „Ich zeig euch mal die neuen Küken von Venus. Wir können ja ein bisschen Gras für sie pflücken und verfüttern“, schlägt er vor. Doch die Küken wollen das Gras gar nicht fressen, sie machen es sich darauf gemütlich. Wer hätte das gedacht? Jens ist selig und beschließt einen schönen Nachmittag auf Tomtes Hof. Nächste Woche ist er wieder da – er kommt regelmäßig einmal die Woche und wird hier betreut. Auf Tomtes Hof gibt es fünf Betreuungsplätze für Kinder, die Hilfe zur Erziehung benötigen. Das finden Lambert und Lamberta ganz klasse. Lämmer brauchen sowas in der Regel nicht, obwohl – „Erinnerst Du Dich an das Lamm auf dem Deich, bevor wir auf Tomtes Hof kamen?“, fragt Lamberta Lambert. „Das hätte durchaus auch mal ein paar besondere Extra-Stunden brauchen können.“ „Tschüss“, ruft Jens, „bis nächste Woche!“ Und er kann es jetzt schon nicht mehr abwarten, dass endlich wieder Dienstag ist.

(* Namen geändert.)

Vergnügte Pferde und entspannte Schafe

Lambert und Lamberta sind im Ruhrgebiet angekommen! Trotzdem fühlt es sich auf dem Begegnungshof In der Espe in Hattingen ein bisschen so an, als seien sie in der Schweiz gelandet. Kein Wunder, erklärt ihnen Lennja, die Hundedame, die sie gleich begrüßt: Die Gegend, in der der Begegnungshof liegt, heißt auch Elfringhauser Schweiz.

Nach Lennja lernen Lamberta und Lambert auch Nea kennen. Sie und Lennja sind die Yin- und Yang-Hunde des Hofes. Aber auch die Hühnerschar beguckt neugierig die beiden Besucher.

Sie machen erst einmal einen Rundgang über den Hof und stellen fest: Hier ist immer etwas los! Auf dem Hof in der Espe trifft man außer den Tieren auch große und kleine Menschen, die zu tierischen Begegnungen oder zum tiergestützten Coaching kommen. Außerdem lernen die beiden die tollen Menschen kennen, die sich hier mit um die Tiere kümmern, erfahren, dass Feriengäste aus aller Welt hier Urlaub machen und dass es hier sogar Gesangsunterricht und Musik gibt!

Den Tieren geht es hier ganz schön gut, findet Lamberta. Sie haben schöne große Ställe und Ausläufe, können auf die Weide oder ganz frei herum laufen. Außerdem ist die Versorgung großartig: Lambert und Lamberta werden mit Kirschzweigen, leckeren Kräutern und Gräsern verwöhnt. Die Pferde werden hier nicht geritten und alle Tiere dürfen frei entscheiden, wobei sie gern mitmachen möchten. Auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen wird geachtet, und die Atmosphäre auf dem Hof ist sehr entspannt und wertschätzend.

Die Schafe sind allerdings ziemliche Homies, findet Lambert. Carlotta, Keke, Kaspar, Edda und Kopernikus lieben ihren Stall über alles. Im Moment ist es aber auch ziemlich kribbelig draußen, wegen der ganzen Bremsen und Fliegen. Es gibt auch ein Tier, das im Haus lebt: Pauline, die zarte schwarze Katze, die sich sehr über den Besuch von Lambert und Lamberta gefreut hat.

Gemeinsam mit Lexa entdecken Lambert und Lamberta den Abenteuerpfad, der in den Wald führt, lernen die Pferde Pierre, Pedro, Shadow und Melvin kennen und verbringen Zeit bei ihren neuen SchaffreundInnen. Alle Tiere beriechen Lambert und Lamberta ausgiebig, denn sie bringen viele spannende Gerüche von ihrer bisherigen Reise mit.

 

Vom Blitz getroffen

Eigentlich wollten Lambert und Lamberta als nächstes zum Begegnungshof „Helfende Tiere“ weiterreisen. Der ist nämlich wie der letzte Hof, auf dem sie waren, in Niedersachsen, es wäre also gar keine weite Wanderung gewesen. Doch dann, sie waren schon fast angekommen, haben sie gehört, dass dort beim letzten großen Unwetter der Blitz eingeschlagen hat. Also haben die beiden beschlossen, erst einmal nicht dort zu stören, weil das Team bestimmt alle Energie dafür braucht, alle Unwetterschäden zu beseitigen und die beiden kleinen Schafe dort nur im Weg herumstehen würden. Lamberta wollte zwar gerne mithelfen, aber leider ist sie dafür wohl ein bisschen zu klein. Deshalb haben sich Lambert und Lamberta erst einmal auf den Weg ins Ruhrgebiet gemacht, wo sie auf dem Hof in der Espe mit Lexa, ihren Pferden, Schafen, Hunden und Hühnern bestimmt allerlei erleben können.

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Ab in die Alpen

Nach einigem Klettern und Wandern sind Lambert und Lamberta in Österreich auf dem Berglama-Hof in Vorderstoder angekommen. Die klare Höhenluft tut ihnen gut und das herrliche Panorama gefällt ihnen. Was sie noch verstehen lernen müssen ist, dass man sie hier „Sockenbären“ nennt. Warum? Weil die Menschen hier gerne stricken und warme Socken lieben – natürlich aus echter Schafwolle. Sofort werden sie mit einer Mini-Socke geschmückt und bekommen auch eine Glocke geschenkt.

„Wofür ist die denn gut?“, fragt Lamberta. Lambert weiß es: „Die sollen wir uns umhängen, damit man uns hört und findet, falls wir uns in den Bergen verlaufen!“
Doch auch der Kater Prinz findet Gefallen an dem Glöckchen. Es glitzert einfach zu schön!

Auch jemand anderes interessiert sich für die Schafe: Perle, das Haushuhn, beäugt Lambert und Lamberta ganz intensiv, so dass Lambert fast schon etwas Angst bekommt. Doch dann widmet Perle sich wieder dem Scharren nach Regenwürmern, und Lambert ist wieder beruhigt.

Schließlich treffen sie noch Apolo, das gescheckte Lama. Er hat viele Gipfelerfolge und zeigt Lambert und Lamberta seinen Lieblingsberg. „Schaut“, summt er entzückt, „das ist der Große Priel! Dort oben war ich schon oft. Er ist 2555 Meter hoch, deshalb liegt dort auch noch Schnee.“