Jubiläumsfest

Endlich ist Samstag und das Fest gekommen, auf das sich Lamberta und Lambert schon gefreut haben. In Lamahausen ist schönes sommerliches Feierwetter und nach den Vorbereitungen mit vielen fleißigen Helfern sind das Begegnungshof-Team und die Tiere fertig für die Gäste. Auch Lambert und Lamberta begrüßen alte und neue Bekannte – es haben sich ein paar Gesichter eingefunden, die sie von ihrer Reise kennen.

Nach einem besinnlichen Einstimmung und einem Rückblick auf den Grund für das Fest – den Verein Lamas helfen Menschen e.V., der wie das Netzwerk Begegnungshöfe seit zehn Jahren besteht – gibt es leckeren Kuchen für alle. Außerdem machen Trancas Trabanten Musik auf dem Hof; auch die beiden Schäfchen dürfen einmal mitspielen.

Dann läuft Lambert bei einer der Schnupperwanderungen mit den Lamas und Alpakas mit. Lamberta bleibt lieber auf dem Hof, um die restlichen Tiere zu besuchen und Zeit mit ihrer Herde zu verbringen. Auch hier sind noch viele Menschen, die sich über den Begegnungshof informieren, leckere vegetarische Snacks naschen oder einfach nur die Tiere beobachten. Erst am Abend löst sich die Gesellschaft langsam auf, und Lambert und Lamberta freuen sich darauf, morgen gemütlich auszuschlafen.

Huhn im Haus

Nachdem sie über den Paddock gegangen sind, kommen sie zu einem Tiergehege, in dem eine Herde Ziegen lebt. Der Ziegenbock Harry steht am Zaun und meckert. „Immer diese Schafe, seid ihr schon wieder ausgebüchst? Husch husch, zu eurer Herde! Ungehörig, einfach so hier an meinem Gehege rumzulaufen.“

Harri

Schnell gehen Lamberta und Lambert weiter, bis sie auf eine sehr alte Ziege treffen, die  außerhalb des Geheges steht. Sie frisst eine wohlriechende… „Pampe?“, fragen sich die zwei Schafe verdutzt, als sie in die Schüssel schauen. „Moin“, sagt die Ziege, „ich bin Rosita.“ „Guten Tag“, erwidert Lamberta, „sag mal, was frisst du denn da?“ „Das sind Heucobs. Ich habe nämlich fast gar keine Zähne mehr, aber die Menschen sind so freundlich und bringen mir immer eine Extramahlzeit. Dafür habe ich ihnen, als mir mal ein Zahn ausgefallen ist, diesen geschenkt. Die Menschen machen immer Führungen über unser Gelände und die Kinder sind ganz begeistert von meinem Zahn“, sagt sie stolz.

Lambert und Lamberta gehen weiter. „Ob es hier auch Schafe gibt?“, fragt sich Lamberta. „BESUCHER!!!“, ruft es plötzlich aus einem Gebüsch und Lambert und Lamberta sind von mindestens zehn Hühnern umzingelt. „Haben sie Kekse???“, ruft eine Henne. „Oder Brötchen??“, eine Andere. „Nein, diese beiden haben nichts dabei“, grölt eine weitere Henne und genau so schnell wie sie da waren, gehen die Hühner auch wieder ihrer Wege. Die meisten legen sich wieder in ein Gebüsch, andere machen ein Sandbad in einem der Sandlöcher und bleiben danach mit ausgebreiteten Flügeln liegen.

Hühner

„Entschuldigung“, sagt Lamberta verlegen zu einem vorbeigehenden Huhn. „Leben auf diesem Hof auch Schafe?“ „Schafe? Natürlich! Kommt mit, ich bringe euch hin. Ihr müsst wissen, wir Hühner kennen jedes Tier hier auf dem Hof, denn wir laufen über das ganze Farmgelände und dürfen überall hin.“ „Überall? Auch in die Häuser?“, fragt Lambert. „Ja natürlich“, sagt die kleine weiße Henne. „Meine Freundinnen trauen sich zwar nicht. Aber ich, ich mache fast täglich einen Kontrollgang durch das Kindercafe. Manchmal liegen dort nämlich Tüten mit Brot, die uns liebe Besucher bringen.“ „Und die Menschen erlauben das?“ „Ach, die Menschen“, schmunzelt die kleine Henne, „die finden meist nur einen Klecks von mir. Weil sie immer so schrecklich viel zu tun haben, merken sie gar nicht, wenn ich die Futterspenden kontrolliere.“

Melita

„Da sind sie!“, ruft Lamberta freudig und läuft los. Auf einer hügeligen Weide hat sie sieben Schafe entdeckt. „Das sind Leo und Leonie, Daniel, Polly, Vita, Betty und Tiffi“, stellt die Henne die Schafe vor. „Und ich heiße übrigens Melita.“ Lambert und Lamberta bedanken sich herzlich und wenden sich der Herde zu. Neugierig werden sie betrachtet und ausgefragt. Denn es kommt schließlich nicht ständig ein Schaf auf Wanderschaft vorbei. So erzählen die Reisenden ihren Artgenossen von den verschiedenen Höfen und was sie dort schon alles erlebt haben.

Und auch die Schafe der Stadtteilfarm erzählen von ihrer Arbeit mit den Kindern, die sie oft besuchen, von wunderbaren Bürstenmassagen und Ausflügen zur Apfelwiese. Sie sind glücklich mit dem Leben, das sie hier führen.

Als Lamberta so inmitten der Schafherde steht, bekommt sie doch ein bisschen Heimweh nach ihrer Herde in Lamahausen. Sie und Lambert waren ja auch eine ganze Weile unterwegs – als sie sich kennengelernt haben, hat es noch geschneit und jetzt ist der Sommer schon auf seinem Höhepunkt angelangt. Also schlägt Lamberta ihrem Freund vor: „Wir waren ja jetzt auf allen Begegnungshöfen, die es bisher gibt im Bündnis Mensch & Tier. Was hältst du davon, wenn wir jetzt so langsam wieder aufbrechen und zurück zu meiner Herde wandern? Ich bin ganz neugierig, was dort alles passiert ist, seit wir in die weite Welt gezogen sind, und ich vermisse meine Freunde dort auch ein bisschen. Außerdem habe ich gehört, dass es in Lamahausen bald ein großes Fest gibt, wollen wir dort nicht auch mitfeiern?“ Lambert ist einverstanden und so machen sich die beiden kleinen Schafe aus dem Norden wieder auf den Weg in die Rhön – nicht, ohne sich von allen Menschen und Tieren auf der Stadtteilfarm herzlich zu verabschieden.

Gehörnte Schafe und plüschige Esel

Heute lernen Lambert und Lamberta noch mehr Bewohner des Kaindlhofes kennen. Als erstes natürlich die Schafe, auf die sind die beiden schon am meisten gespannt. Hier leben fünf Ouessantschafe und ein älterer Skuddenbock. Chef der Herde ist Enrique, dann gibt es noch die beiden Damen Lilli und Emilia, den Jährlingsbock Emil und den kleinen Samson, der dieses Frühjahr zur Welt gekommen ist. Der Älteste in der Herde ist Ludwig, mittlerweile schon zehn Jahre alt und mit beeindruckenden Hörnern. Lambert und Lamberta beschnuppern die Schafe durch den Zaun hindurch, aber Enrique gefällt es gar nicht, dass Lambert seinen Mädels zu nahe kommt. Drohend senkt er den Kopf. Lambert geht lieber ein paar Schritte zurück, denn auf einen Kampf möchte er es auch nicht drauf ankommen lassen. Enrique hat ziemlich große Hörner und sieht auch kampferprobt aus. „Der Klügere gibt nach“ denkt sich Lambert und wenn er ehrlich ist, gefällt ihm auch nicht, mit welch großen und staunenden Augen Lamberta auf Enriques Hörner starrt. Also wirft er noch einen letzten Blick auf Enrique, zwinkert den beiden Schafmädchen zu und zieht Lamberta mit in den anderen Stall.

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Hier werden sie schon von den fünf Eseln erwartet. Lambert und Lamberta staunen sehr: so einen großen Esel haben sie noch nie gesehen! Elliot ist ein Poitouesel, mit einem zottigen Fell und riesigen Plüschohren. Trotzdem ist er sehr vorsichtig, als er die beiden Schafe beschnuppert, immerhin kennt er auch alle anderen Bewohner hier und weiß, dass er mit kleineren Tieren vorsichtig umgehen muss. Die beiden Schafe klettern trotzdem lieber auf einen dicken Ast, so fühlen sie sich etwas sicherer als zwischen Elliots großen Hufen.

Auch die restlichen Esel stellen sich den beiden vor: die Älteste und gleichzeitig Kleinste ist Lieselotte, dann gibt es noch den Hausesel Lukas und die beiden Rieseneselstuten Josie und Sambucca. Lambert und Lamberta fühlen sich zwischen den Langohren ziemlich wohl, alle genießen das schöne Wetter im Sandpaddock und lassen sich das duftende Heu schmecken. Natürlich teilen die Esel ihre Portion großzügig mit den beiden Schafen. Nach dem Essen dösen Lambert und Lamberta etwas und käuen gemütlich wieder.

Doch dann sind sie schon gespannt, welche Tiere hier noch auf sie warten…

Hunde für die Herde

Nach einer langen Reise sind Lambert und Lamberta in Bayern angekommen, genauer gesagt auf dem Kaindlhof. Die beiden sind schwer beeindruckt, so viele verschiedene Tiere leben hier! Anja und Thomas, die beiden Menschen, die mit ihren Tieren auf dem Kaindlhof leben, versprechen ihnen, dass sie im Laufe ihres Besuchs alle Tiere ganz genau kennenlernen dürfen. Darauf freuen sich die beiden schon sehr, haben sie doch schon ein weit entferntes „Määäh“ gehört und auf andere Schafe zu treffen ist immer spannend.

Zuerst aber werden sie von den drei großen Hunden auf dem Kaindlhof begrüßt. Anton, Dari und Karamell sind wirklich groß und beeindruckend und die beiden Schafe sind etwas zögerlich, ihr Instinkt rät ihnen, etwas Abstand zu halten. Anja kann die beiden aber beruhigen, denn die drei sind sogenannte Herdenschutzhunde. Lambert und Lamberta schauen sich fragend an. Eine Herde kennen sie natürlich, das ist schließlich für Schafe lebensnotwendig und dass eine Herde Schutz bietet, wissen die beiden auch. Aber was genau haben denn Hunde damit zu tun?

Anja erklärt ihnen, dass Anton ein Germanischer Bärenhund ist, Dari eine Owtscharka und Karamell eine Kangalhündin. Alle drei Hunderassen wurden darauf gezüchtet, dass sie Schaf- und Ziegenherden in den Bergen zum Beispiel vor Wölfen beschützen. Beim Anblick der drei Großen erscheint das den beiden Schafen auch sehr logisch. Welcher Wolf würde sich da nicht fürchten! Als die drei Hunde die Schafe freundlich und ruhig begrüßen, haben Lambert und Lamberta auch ihre Anfangsscheu überwunden und freuen sich über die Begegnung.

Plötzlich steigt den beiden ein köstlicher Duft in die Nase: es riecht nach Sommer, Sonne und Kräutern. Das kann nur eines bedeuten: frisches Heu! Thomas zeigt ihnen das große Heulager auf dem Kaindlhof mit den ganzen wunderbar duftenden Rundballen. Lambert und Lamberta öffnen schon ihre Münder, um einen großen Bissen zu nehmen, aber Thomas erklärt ihnen, dass frisches Heu noch gar nicht gesund ist. Die Ballen sind erst zwei Wochen alt und müssen mindestens noch sechs Wochen gelagert werden, bevor die Tiere davon fressen dürfen. Ansonsten gibt es ziemlich heftige Bauchschmerzen. Enttäuscht blicken sich die beiden Schäfchen an. Aber Bauchschmerzen? Nein, dass wollen sie auch nicht riskieren. Die beiden kennen das Gefühl von einem Ausflug in eine Obstplantage mit ziemlich vielen, großen Äpfeln und sie wissen noch genau, wie es in ihren Bäuchen rumort hat! Dann doch lieber frisches Gras, das gibt es auf dem Kaindlhof zum Glück zur Genüge. Die beiden lassen es sich also schmecken und sind schon sehr gespannt, was sie morgen erwarten wird.

Mit Humbold auf Entdeckungsreise

Die beiden reiselustigen Schafe sind nach der kurzen Pause wieder gestärkt und jetzt ganz neugierig, was es in Worpswede alles zu entdecken gibt. Lambert erzählt von ihrer Begegnung mit anderen Tieren:

„In den großen Bäumen redeten viele Vögel vom Kinderfüttern oder sangen, dazwischen riefen die Esel – zum Glück kennen wir das schon, man kann sich von dem Geräusch ganz schön erschrecken. Ein recht netter Hund, ich glaube, er hieß Unhold oder Humbold oder Kobold, bot sich an, uns herum zu führen. Lamberta wollte unbedingt schaukeln, mir war es eigentlich unheimlich so nah am Teich. Ich mag Wasser nur zum Trinken. Die Hühner hatten kaum Zeit uns zu begrüßen, sie sind überall unterwegs, anscheinend gibt es im Moment sehr leckere Insekten (nichts für mich)… Die Esel waren auch frei unterwegs und sehr freundlich zu uns, sie kennen sich mit Schafen gut aus. Humbold hat uns dann die Meerschweinchen und Kaninchen gezeigt, die hatten wenigstens Futter, das wir auch mögen!

Dann hat er uns noch mit zu der Glucke geschleppt, damit wir die Küken ansehen. Ich wäre lieber gleich zu den Schafen auf die Weide gegangen, aber ich glaube, Humbold mag die Küken sehr gern, da waren wir ein guter Vorwand, um mal wieder dort vorbeizuschauen. Danach hatte ich auch richtig Hunger auf Gras und freute mich, als wir endlich zur Schafweide gingen. Aber oh! Ich nahm drei Bissen und dann ließ ich es erst einmal. Meine Güte, das Gras schmeckt hier im Moor, so nennen sie diese Gegend hier, gar nicht so gut wie zum Beispiel bei Elisabeth im Alpenvorland. Aber das habe ich den Schafen nicht gesagt, das würde sie ja nur traurig machen. Naja, und wenn man sehr hungrig ist… nach einiger Zeit gewöhnt man sich auch an dieses Gras. Aber die elf Schafe, die sind eine sehr lustige Gruppe und selbst Lamberta und ich, die wir doch schon erwachsen sind, haben am Abend mitgespielt. Die Schafe haben gefragt, ob wir mit zum Berg kommen zum rauf- und runterrennen. Ich dachte an einen richtigen Berg und musste lachen, als ich den kleinen Hügel sah, der hier im Flachland ein Berg ist! Aber das Spiel hat Spaß gemacht. Sie haben hier eine kleine alte dicke Ziege, die eine echte Stimmungskanone ist. Diese Ida steckt alle an, so dass am Ende nicht nur die Lämmer, sondern alle Schaf und Ziegen hinauf und herunter rennen und Sprünge machen. Jolene, das älteste Schaf, hat uns alle vorgestellt und ich muss schon sagen: es gibt ein paar sehr hübsche Mädchen hier, zum Beispiel das kleine Fräulein Drachenzahn oder die schwarze Ricola. Mit Lamberta können sie natürlich trotzdem nicht mithalten! Lamberta allerdings findet leider auch Cedric und Campino sehr nett und cool. Die beiden sind sehr stolz auf ihre Mutter Carla Columna, von der es heißt, sie sei einmal ganz allein in Bremen spazieren gegangen. Alle Schafe kennen sich beinahe so gut wie wir aus mit der Welt, weil sie oft mit ihrem Hänger ausfahren. Davon erzählen sie gern und geben auch ein wenig an. Aber ansonsten gefällt es uns beiden sehr gut in ihrer Herde.“

Lamberta ergänzt: „Wir haben dann auch bei den Schafen übernachtet und haben uns wirklich wohl gefühlt, mal wieder in einer richtigen Schafherde zu sein. Am nächsten Tag gab es dann ‚Arbeit‘, wie die Schafe sagen: Beinahe eine ganze Herde Frauen kam auf die Weide und dann haben sie sich auf etwas Buntes gelegt, einige hatten die Augen zu. Das war ein bisschen doof, denn im Liegen können Menschen nicht so gut Schafe kraulen. Aber ganz gemütlich war es doch. Ganz prima war es aber, als noch einen Tag später Kinder zu uns kamen – die konnten uns sehr gut kratzen und kuscheln!“

Hinein ins Grün

Lambert und Lamberta überlegen, wohin sie als nächstes ziehen wollen. Sie haben gehört, dass es in dieser großen Stadt voller Menschen tatsächlich auch eine Schafsherde gibt: Die lebt auf einem Hochhausdach und kann von Schulkindern besucht werden. Leider muss man sich dort vorher anmelden und außerdem mit einem Aufzug hochfahren. Während Lambert noch darüber nachdenkt, wieviel Mut man dafür braucht, möchte Lamberta unbedingt echte Tiere kennenlernen. Also machen sie einen Ausflug – raus aus der Stadt mit den vielen Menschen, hinein in die Natur und auf eine große Wiese voller gelber Blüten. Lambert bewundert die Butterblumen, während Lamberta die Augen schließt und sich genüßlich die Sonne auf die Wolle scheinen lässt.

Plötzlich fällt ein Schatten auf Lamberta. Sie öffnet die Augen und sieht zuerst nur eine große Nase und Fell so weiß wie das von Lambert. „Aber nicht so schöne Locken wie die von Lambert“, denkt sich Lamberta, während sie einen Schritt zurückgeht, um zu sehen, wer da eigentlich vor ihr aufgetaucht ist. Es ist eine Pferdedame: Farah ist schon ein bisschen älter und lebt in einer Pferdepension am anderen Ende der Wiese. Die drei unterhalten sich noch ein bisschen und Farah erzählt, dass auch sie früher bei angeleiteten Mensch-Tier-Begegnungen dabei war. „So wie meine Herde zuhause!“, freut sich Lamberta. Während Farah noch eine Weile grast, dösen Lambert und Lamberta etwas in ihrem Schatten – das ist etwas Feines an so einem warmen Tag.

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Funny, das fröhliche Schaf

Lamberta ist ganz neugierig darauf, andere Schafe kennenzulernen. Sie kannte lange nur die Tiere aus ihrer kleinen Herde in Lamahausen, und erst als Lambert hinzukam, wurde ihr klar, dass es ja noch ganz viele andere Schafe auf der Welt geben muss. Deshalb freut sie sich sehr, als Esel Pippin ihr erzählt, dass auf dem Glöckner-Hof ebenfalls eine kleine Schafherde lebt. Schnell klettert sie über das Holzgatter und wird gleich von Betti und Emma in Empfang genommen. Emma ist sehr neugierig und schnuppert ausgiebig an Lambert und Lamberta. „Ihr seid nicht von hier, oder? Ihr riecht nach anderen Schafen, überhaupt nach ganz vielen anderen Tieren!“ Also erzählt Lambert Emma und Betti von ihrer Reise, während Lamberta die anderen Schafe kennenlernt: Momo hat ein dickes, flauschiges Fell, das so dicht ist, dass Lamberta sich zuerst gar nicht sicher war, wo eigentlich sein Kopf ist. Funny hat eine etwas andere Farbe als die anderen Schafe der Herde: Sie ist eine Coburger Fuchsdame, deshalb ist ihr Fell rötlicher als das von Emma, Betti, Momo oder auch Lambert. Außerdem ist Funny ein ganz besonders lebenslustiges Schaf und findet die Reise von Lamberta und Lambert richtig spannend. Lamberta verspricht ihr, mit Grit zu reden, damit die am Computer nachliest, was Lambert und Lamberta auf Reisen erleben, und es dann Funny erzählen kann. Als es an die Verabschiedung geht, findet es Lamberta fast wieder ein bisschen schwierig, sich von den Schafen zu trennen. Doch Emma drückt Lamberta noch einmal und spricht ihr Mut zu, so wie es auch Ludmilla getan hatte, so dass es Lamberta gleich wieder besser geht. Derart gestärkt und guten Mutes machen sich Lambert und Lamberta auf die Weiterreise.

Lambertas Herde

Inzwischen hat Lambert auch die Schafherde von Lamahausen kennengelernt. Was heißt hier „Herde“, es sind eigentlich nur Lamberta, Maja, Mini, Lotti, Heidrun, Ludmilla und der Schafsbock Julius, der es ganz schön komisch fand, als Lambert plötzlich auftauchte. Er schien fast ein bisschen Angst zu haben. Dabei fühlt sich Lambert so gar nicht gefährlich…Dort, wo Lambert vorher lebte, hatten Schafsherden andere Größen. Aber in Lamahausen ist alles anders. Das liegt wohl daran, dass hier ein „Begegnungshof“ ist, wie er von Lamberta gehört hat. Offensichtlich leben die Tiere hier nicht deshalb, weil die Menschen ihre Wolle oder ihre Milch haben wollen, sondern um einander zu begegnen. Und wohl auch den Menschen, die hierher kommen. Das Besondere in Lamahausen ist, dass dort alle Tiere einen Platz auf Lebenszeit haben. Die alte Ludmilla konnte deshalb schon 13 Jahre alt werden. So ein altes Schaf hatte Lambert noch nie gesehen.Lambert und Lamberta bei den SchafenIm Sommer, sagt Lamberta, kommen sehr viele Menschen hierher; sie sagt, die Tiere freuen sich schon darauf, weil sie das total spannend finden. Ein paar Menschen hat Lambert schon kennengelernt, das sind die, die immer das Futter bringen, Heu und Wasser auffüllen und die Ställe misten. Die leben auch hier auf dem Begegnungshof, sagt Lamberta. Sie sind eigentlich ganz nett und auch zu Lambert sehr freundlich. Inzwischen lässt er sich auch schon von ihnen kraulen…

Lambert erzählt

Lambert 3Ich bin Lambert und ich finde, ich bin ein sehr stattlicher Bock. Ich soll jetzt alles erzählen, das habe ich versprochen. Aber eigentlich hat ja alles lange vor diesem Versprechen anfangen. Ich fange da an, als es mir in meinen Hufen juckte und meine Neugierde größer und größer wuchs… Also, nochmal: Ich bin Lambert und ein sehr stattlicher Bock.

Für mein Alter bin ich schon sehr groß. Geboren wurde ich, als noch Schneeflocken in der Luft waren, aber meine Mutter hatte viel Milch für mich und die Kälte konnte mir nichts anhaben. Als dann das erste Gras hervorlugte, fand ich einfach alles wunderschön. Ich konnte auf schnellen Hufen über den Deich düsen und wenn ich Lust hatte, bremsen und mein Maul in das leckerste Futter strecken, wann immer ich wollte. Und ich wollte viel! Und so wuchs ich. Ja, es war schön in meiner Herde, mit meiner Mutter, den Tanten und den anderen Schafkindern, aber immer schon wollte ich wissen, was wohl hinter dem Zaun war. Ich hatte so viele Fragen und ich wurde unruhig. Als der Sommer, so nennen die Menschen diese wundervoll warme Zeit, sich neigte und morgens schon ein bisschen Nebel im Gras hängen blieb, waren sowohl meine Unruhe als auch meine Neugierde so sehr gewachsen, dass ich… Eigentlich würde ich ja gerne ein liebes und vorbildliches Schaf sein, so wie es die älteren Schafdamen in unserer Herde immer wollen, aber das hat nicht geklappt.

Ich bin einfach unter dem Stromzaun durch geschlüpft. Und habe meine Nase (ich kann wirklich wundervoll riechen und an diesem Tag roch für mich alles wundervoll) in den Wind gehalten und bin losgezogen…ich habe zum ersten Mal wundervoll weiche Haselnussblätter gegessen und ein Stück weiter traf ich andere Blätter, die mir wundervoll mundeten! Allerdings war das Gras bei den Häusern der Menschen seltsam kurz, ich dachte eigentlich, sie mögen kein Gras… Dafür gab es leckere Blumen, ich habe sie alle schön ordentlich aufgefressen. Zum Wiederkäuen legte ich mich unter einen Birnenbaum, auch sehr lecker!

Lamberta sagt, ich soll nicht alles aufzählen, was ich unterwegs gegessen habe. Dann lasse ich das. Ich bin zwar ein mutiger Bock (oder, Lamberta?), aber manchmal haben mich Dinge sehr erschreckt: Einige sehr große Autos , manche Maschinen… dann hätte ich gern einen Freund oder eine Freundin dabei gehabt. (So eine wie Dich, Lamberta.)
Weil ich so allein war, rannte ich so schnell ich konnte, und so legte ich in wenigen Tagen eine große Strecke zurück. Nun sah alles um mich herum ganz anders aus als zuhause.

Mit den Menschen, die ich auf meinem Weg traf, war es auch ganz anders, als meine Mutter und meine Tanten es immer gesagt haben. Die hatten mich vor fremden Menschen gewarnt. Aber die Menschen, die ich auf meinem Weg traf, waren erstaunt mich zu sehen, meistens freundlich und oft lachten sie auch – ganz wie zu Hause. Da ich mich vor ihnen gar nicht fürchten brauchte, konnte ich auf meinem Weg viele verschiedene Menschen kennenlernen.

An einem Morgen suchte ich gerade Brotstücke aus einem Gebüsch. In der Nähe war ein großes Haus. Ich war gerade mit einem Brötchenrest beschäftigt, da klingelte es und aus dem Haus stürmten viele kleine Menschen. Kinder nennen sie die. Die waren sehr laut (das ist es unter Schafen auch oft) und sehr fröhlich. Sie fanden mich sehr besonders und kreischten und riefen und lachten. Es war gar nicht schlecht, so etwas Besonderes zu sein. Vor allem ein Kind gefiel mir, ich konnte ihre Gedanken beinahe so gut lesen wie die eines Schafes und das war schön, weil ich mich schon ein wenig sehr allein gefühlt hatte in der großen spannenden Welt. Sie dachte: „Ich würde ihn gerne mitnehmen zu den Schafen bei uns zuhause, er ist so ein schöner und lieber Bock!“

Ich freute mich über ihre Gedanken und folgte ihr. Erst mal in das große Haus, wo sie eine dicke Tasche holte und dann gingen wir zusammen los. Ich hielt mich ganz dicht neben ihr, dann konnte sie mich beim Gehen ein wenig kraulen, das war sehr schön. Jetzt, wo ich intensiver an ihr roch, konnte ich wirklich ein wenig Schaf an ihr riechen. Ja, und dann konnte ich die Schafe auch sehen, ich musste kleine Hüpfer machen, weil ich mich so freute. aber ganz so einfach ist es nicht, als Neuling in eine Schafherde zu kommen. Ich weiß noch gut, wie meine Mutter und meine Tanten Neulinge herumgeschubst haben, bis sie aufgenommen wurden. Ich machte mich gerade bereit, es durchzustehen, da sah ich Dich, Lamberta! Ich glaube, wegen Dir hat mir das Geschubse gar nicht weh getan und nach einer Weile konnte ich Dich begrüßen gehen. Das war ein wunderschöner Tag für mich!

Wie es dann weiter geht, kannst Du dann mal erzählen, Lamberta, denn ab diesem Tag warst Du bei allen Abenteuern dabei!