Die Senioren auf der Farm

Auf ihrer Entdeckungstour über die Stadtteilfarm kommen Lamberta und Lambert zu einem Gehege mit wunderbarem Schatten. Wer hier wohl wohnt?

„Grunz, grunz!“ Ein großer Körper regt sich schwerfällig aus dem Schatten und fragt verdutzt: „Wer seid denn ihr?“ „Wir sind Lambert und Lamberta, wir sind Reisende und besuchen die Begegnungshöfe.“ „Ach ja, diese Sache mit den Begegnungshöfen. Ich weiß noch, wie das vor zehn Jahren alles angefangen hat! Endlich stellt sich jemand mal persönlich vor. Du musst wissen, mein Bruder Ratz und ich, wir leben schon hier, seit wir kleine Ferkel waren.“

Aus dem hinteren Teil des Geheges hört man eine tiefe Stimme brummen: „Naja, das ist aber auch schon ein bisschen her, meinst du nicht, Rübe? Wir sind nämlich schon elf Jahre alt.“ „Waaas? Ach, deswegen seid ihr schon so grau. Ihr seid ja richtige Senioren!“

Auch Lambert staunt: Elf Jahre? Das ist für Schweine und Schafe schon ein beträchtliches Alter. „Und“, fragt Lamberta, „wie geht es euch denn hier? Eure Weide am Eingang des Hofs ist ja ganz verdorrt. Kümmern sich die Menschen denn überhaupt gut um euch?“

„Uns geht es gut“, grunzt Rübe, „wir haben unsere Suhle. Durch die bleibt unsere kleine Wiese immer grün und saftig. Das mögen wir sehr. Und auch die Gänse schlüpfen jeden Tag durch unseren Zaun und quatschen mit uns.“

Lambert und Lamberta schauen sich weiter um. Neben den Schweinen wohnen drei Alpakas. Neugierig kommen sie an den Zaun. Chico, der Mutigste der Alpakas, begrüßt Lambert mit einem Nasenkuss, eine freundschaftliche Geste bei diesen Tieren. „Wie macht ihr das hier bei dieser Hitze?“, fragt Lamberta die drei. „Es ist schlimm dieses Jahr“, sagt Flynn, der Kleinste, aber Älteste der Alpakas, „es will einfach nicht regnen. Aber die Menschen geben uns gutes Heu und gehen mit uns zu den schattigen Plätzen auf der Farm, wo es noch ganz viel leckeres, saftiges Gras gibt.“

Zwei Esel stecken ihre Köpfe durch den Zaun. „Wer seid denn ihr?“, wollen die beiden Schafe wissen. „Wir sind Hildchen und Camillo, die Esel von der Stadtteilfarm.“ Die Esel zeigen den beiden Schafen ihren Stall und ihr Außengelände. „Wir können jederzeit rein und raus. So einen Luxus hat nicht jeder Vierbeiner!“

Esel

Die beiden Esel stellen Lambert und Lamberta auch noch die Ponys der Farm vor. „Troy ist erst seit einem Jahr hier. Aber er macht sich ganz gut,“ sagt Camillo. „Ich bin sozusagen sein Ausbilder und er ist mein Auszubildender.“ „Nanana“, brummelt eine Stimme aus dem Hintergrund, „Camillo, sollst du immer so flunkern?“

Erst jetzt bemerken die kleinen Schafe das Pony in einem kleinen Unterstand. „Warum sieht er uns nicht an?“, flüstert Lamberta Hildchen, der Eseldame, zu. „Er ist blind, aber er ist schon seit Anfang an hier.“. „Seit dem Anfang?!“, wiederholt Lamberta laut. „Genau“, brummelt das Pony, „1991 bin ich hier eingezogen. Das sind jetzt schon 27 Jahre, ich kenne mich hier aus.“

„Wow, so lange lebst du schon hier? Dann kennst du ja alle Menschen und Tiere!“ „Das kann man wohl sagen und hier auf der Farm, da arbeiten die unterschiedlichsten Menschen. Manche sind schon alte Freunde und wir kennen uns schon Jahre, wieder andere kommen und gehen. Das sind Freiwillige, Praktikanten und auch Menschen, die es in der Arbeitswelt zuvor nicht so einfach hatten.“ „Ach“, fragt Lambert, „sind denn hier nur Erwachsene?“ „Nein, nein“, antworten die Esel im Chor. „Hier gibt es viele, viele Kinder! Von ganz klein bis gaanz groß! Die machen oft Spaziergänge mit uns oder geben uns eine fantastische Bürstenmassage. Aber die Erwachsenen sind immer dabei und passen auf uns auf.“

Ein Pferd am See

 

Blumen aus dem Wintermantel

Ein weiterer Morgen auf dem Häuslemaierhof beginnt mit strahlend blauem Himmel – es sieht einmal mehr nach einem heißen Sommertag aus. Das ist nicht nur schön: Lambert und Lamberta haben bemerkt, dass die Wiesen sehr trocken sind, es hat schon einige Wochen nicht mehr geregnet. Die Bäume hängen voll mit Äpfeln, Zwetschgen und Mirabellen und dürsten nach Wasser, um zur vollen Reife zu kommen. Auch den Ponys macht die Hitze zu schaffen: Sie stehen versammelt unter einem Apfelbaum, der ihnen Schatten spendet, und wedeln sich gegenseitig mit dem Schweif die Fliegen und Bremsen weg.

Am Nachmittag kommt, wie alle zwei Wochen, die Mädchengruppe zu Besuch. Lambert und Lamberta sind neugierig: Was machen die Mädchen denn, wenn sie auf dem Hof sind? Die Kinder erzählen ihnen von ihren Unternehmungen: Sie dürfen mithelfen, die Tiere zu versorgen und zu pflegen, manchmal machen sie auch Spaziergänge mit Ziegen und Ponys oder beobachten Libellen und Kröten am Teich. Weil es heute aber zu heiß ist, um in der Sonne zu sein, schlägt Emily ihnen vor, im Schatten mit der Wolle weiter zu arbeiten, die sie beim letzten Besuch gewaschen haben. Darauf haben die Mädchen große Lust, am liebsten mögen sie etwas daraus filzen. Also holen sie die Wolle hervor, und prompt kommt Hammel Lambert herbei getrottet, als wolle er schauen, was da mit seinem „Wintermantel“ geschieht.

Zuerst bürsten sie die Wolle mit der Kardiermaschine, dann stellen sie Wasser und Seife bereit, und los geht’s: Jetzt werden Kugeln gerollt und geknetet, bis letztendlich eine kleine Blüte daraus entsteht, so dass jedes Mädchen ihr eigenes kleines Kunstwerk mit nach Hause nehmen kann.

Da heute das letzte Gruppentreffen vor den Sommerferien ist, darf sich jedes Mädchen selbst aussuchen, was es auf dem Hof noch tun will. Die einen möchten zu den Kaninchen ins Gehege und pflücken dafür noch Grünzeug zum Füttern. Andere mögen beim Füttern der Schweine und Esel mitmachen, ein Mädchen will gerne im Nest der Hühner nach Eiern schauen und zwei Mädchen helfen mit, die Ziegen in den Stall zu bringen. Schnell vergeht der Nachmittag, es ist 18 Uhr und die Eltern stehen schon im Hof zum Abholen. Auch die Eltern haben ihre Freude an den Tieren: Ein Vater sitzt in der Hocke und krault den Kater, eine Mutter bewundert Hammel Lambert, der mitten unter den Kindern steht und sich unendlich bekuscheln lässt, ein anderer Elternteil stellt Fragen über Lambert und Lamberta, da die Tochter bereits von ihnen erzählt hat. Auch an diesem Abend gehen Kinder wieder erfüllt vom Hof.

Nun genießen Lambert und Lamberta ihren letzten wunderschönen Sonnenuntergang hier oben auf dem Berg, bevor sie sich zu den Schafen schlafen legen. Morgen wollen sie ausgeruht sein: Ihre Reise geht weiter und führt sie zum nächsten Hof nach Bremen. Emily und Martin verabschieden sich schon einmal von den beiden und wünschen ihnen eine gute Reise und weiterhin viele interessante Erlebnisse mit Mensch und Tier.

Mutig und glücklich werden

Als die beiden Schäfchen erwachen, erwacht auch das Leben wieder auf dem Hof. Als erstes kommt heute Natascha*: sie ist auch aus Bayern gekommen, aber auf vier Rädern, denn sie hat nur zwei Beine. Natascha macht ein Praktikum hier. Sie möchte Fachkraft für Tiergestützte Intervention werden, macht dafür eine Weiterbildung und schaut den Menschen und Tieren hier auf Tomtes Hof über die Schulter. A propos: Tomte. „Sag mal Natascha, warum heisst der Hof eigentlich Tomtes Hof und wer ist denn eigentlich Tomte?“ Natascha hat sich die Frage auch gestellt, kann sie aber inzwischen beantworten: Tomte ist der Hofwicht, der nachts auf die Tiere aufpasst. Er schläft tagsüber bei den Katzen auf dem Heuboden. Nur Tiere und Kinder können ihn sehen. „Ach, ich glaube, ich habe ihn letzte Nacht hier laufen sehen und singen hören“, sagt Lamberta. Lambert hat ja tief und fest geschlafen. Lamberta fragt nun alle Mitarbeiter, wie Tomte denn aussieht, aber die sind ja nun alle erwachsen und haben ihn noch nie gesehen – aber sie erzählen, dass sie ihn trotzdem spüren können. Das finden Lambert und Lamberta ganz wunderbar. Trotzdem wollen sie wissen, wie er aussieht. Da hat Marianne, die Sozialpädagogin, einen guten Vorschlag: „Am Nachmittag kommt Jens*. Jens ist ein Junge, der einmal in der Woche zu uns kommt und einen Nachmittag hier verbringt. Ich helfe den Eltern bei der Erziehung und Jens dabei, sich selber besser kennen zu lernen, mutig zu werden und glücklich zu sein. Das Jugendamt in Norden unterstützt uns dabei. Wir können Jens mal fragen, ob er Tomte schon mal gesehen hat und ihn beschreiben kann.“

Das ist ein guter Vorschlag, finden Lambert und Lamberta, „dann helfen wir bis dahin noch Sabine*!“ Die streicht gerade einen Balken in Signalfarben an. „Sowas habe ich noch nie ausprobiert“, ruft Lambert. „Na, dann“, sagt Sabine, „bitte, hier ist der Pinsel, versuche es mal.“ Lamberta ist stolz auf ihren Lambert. Denn wer hat schon ein Schaf streichen sehen?

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Dann ist es aber Zeit für eine gemütliche Mittagsruhe. Als Jens kommt, bestürmen sie ihn gleich mit der Frage nach Tomte. Jens hat ihn leider auch noch nicht gesehen. Aber Jens ist supernett, finden Lambert und Lamberta, und sie beschließen den Nachmittag mit ihm und Marianne zu verbringen: er zeigt ihnen zum Beispiel wie man Heu abwiegt und die Heutonne befüllt. Dann bringt er mit ihnen Heucobs zu Ella, das ist die alte Eselstute auf dem Hof. „Sie hat nur noch ganz wenig Zähne und deshalb bekommt sie eingeweichtes und klein geschnittenes Heu“, erklärt Marianne. Da staunen Jens, Lambert und Lamberta. Als sie so bei Ella stehen, fällt ihr Blick auf die Esel, die haben ein neues Sandbad und dösen dort gemütlich. Lambert wundert sich über die langen Ohren. „Das muss ja tierisch laut sein, wenn der Wind hier immer pustet!“ Lamberta und er stellen mal probehalber eines der Ohren auf, das geht nicht so einfach, Jens und Marianne helfen ihnen: „Was für ein Geheule“, klagt Lamberta und klappt das Ohr schnell wieder ein.

Da hat Jens schon die nächste Idee: „Ich zeig euch mal die neuen Küken von Venus. Wir können ja ein bisschen Gras für sie pflücken und verfüttern“, schlägt er vor. Doch die Küken wollen das Gras gar nicht fressen, sie machen es sich darauf gemütlich. Wer hätte das gedacht? Jens ist selig und beschließt einen schönen Nachmittag auf Tomtes Hof. Nächste Woche ist er wieder da – er kommt regelmäßig einmal die Woche und wird hier betreut. Auf Tomtes Hof gibt es fünf Betreuungsplätze für Kinder, die Hilfe zur Erziehung benötigen. Das finden Lambert und Lamberta ganz klasse. Lämmer brauchen sowas in der Regel nicht, obwohl – „Erinnerst Du Dich an das Lamm auf dem Deich, bevor wir auf Tomtes Hof kamen?“, fragt Lamberta Lambert. „Das hätte durchaus auch mal ein paar besondere Extra-Stunden brauchen können.“ „Tschüss“, ruft Jens, „bis nächste Woche!“ Und er kann es jetzt schon nicht mehr abwarten, dass endlich wieder Dienstag ist.

(* Namen geändert.)

Gehörnte Schafe und plüschige Esel

Heute lernen Lambert und Lamberta noch mehr Bewohner des Kaindlhofes kennen. Als erstes natürlich die Schafe, auf die sind die beiden schon am meisten gespannt. Hier leben fünf Ouessantschafe und ein älterer Skuddenbock. Chef der Herde ist Enrique, dann gibt es noch die beiden Damen Lilli und Emilia, den Jährlingsbock Emil und den kleinen Samson, der dieses Frühjahr zur Welt gekommen ist. Der Älteste in der Herde ist Ludwig, mittlerweile schon zehn Jahre alt und mit beeindruckenden Hörnern. Lambert und Lamberta beschnuppern die Schafe durch den Zaun hindurch, aber Enrique gefällt es gar nicht, dass Lambert seinen Mädels zu nahe kommt. Drohend senkt er den Kopf. Lambert geht lieber ein paar Schritte zurück, denn auf einen Kampf möchte er es auch nicht drauf ankommen lassen. Enrique hat ziemlich große Hörner und sieht auch kampferprobt aus. „Der Klügere gibt nach“ denkt sich Lambert und wenn er ehrlich ist, gefällt ihm auch nicht, mit welch großen und staunenden Augen Lamberta auf Enriques Hörner starrt. Also wirft er noch einen letzten Blick auf Enrique, zwinkert den beiden Schafmädchen zu und zieht Lamberta mit in den anderen Stall.

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Hier werden sie schon von den fünf Eseln erwartet. Lambert und Lamberta staunen sehr: so einen großen Esel haben sie noch nie gesehen! Elliot ist ein Poitouesel, mit einem zottigen Fell und riesigen Plüschohren. Trotzdem ist er sehr vorsichtig, als er die beiden Schafe beschnuppert, immerhin kennt er auch alle anderen Bewohner hier und weiß, dass er mit kleineren Tieren vorsichtig umgehen muss. Die beiden Schafe klettern trotzdem lieber auf einen dicken Ast, so fühlen sie sich etwas sicherer als zwischen Elliots großen Hufen.

Auch die restlichen Esel stellen sich den beiden vor: die Älteste und gleichzeitig Kleinste ist Lieselotte, dann gibt es noch den Hausesel Lukas und die beiden Rieseneselstuten Josie und Sambucca. Lambert und Lamberta fühlen sich zwischen den Langohren ziemlich wohl, alle genießen das schöne Wetter im Sandpaddock und lassen sich das duftende Heu schmecken. Natürlich teilen die Esel ihre Portion großzügig mit den beiden Schafen. Nach dem Essen dösen Lambert und Lamberta etwas und käuen gemütlich wieder.

Doch dann sind sie schon gespannt, welche Tiere hier noch auf sie warten…

Mit Humbold auf Entdeckungsreise

Die beiden reiselustigen Schafe sind nach der kurzen Pause wieder gestärkt und jetzt ganz neugierig, was es in Worpswede alles zu entdecken gibt. Lambert erzählt von ihrer Begegnung mit anderen Tieren:

„In den großen Bäumen redeten viele Vögel vom Kinderfüttern oder sangen, dazwischen riefen die Esel – zum Glück kennen wir das schon, man kann sich von dem Geräusch ganz schön erschrecken. Ein recht netter Hund, ich glaube, er hieß Unhold oder Humbold oder Kobold, bot sich an, uns herum zu führen. Lamberta wollte unbedingt schaukeln, mir war es eigentlich unheimlich so nah am Teich. Ich mag Wasser nur zum Trinken. Die Hühner hatten kaum Zeit uns zu begrüßen, sie sind überall unterwegs, anscheinend gibt es im Moment sehr leckere Insekten (nichts für mich)… Die Esel waren auch frei unterwegs und sehr freundlich zu uns, sie kennen sich mit Schafen gut aus. Humbold hat uns dann die Meerschweinchen und Kaninchen gezeigt, die hatten wenigstens Futter, das wir auch mögen!

Dann hat er uns noch mit zu der Glucke geschleppt, damit wir die Küken ansehen. Ich wäre lieber gleich zu den Schafen auf die Weide gegangen, aber ich glaube, Humbold mag die Küken sehr gern, da waren wir ein guter Vorwand, um mal wieder dort vorbeizuschauen. Danach hatte ich auch richtig Hunger auf Gras und freute mich, als wir endlich zur Schafweide gingen. Aber oh! Ich nahm drei Bissen und dann ließ ich es erst einmal. Meine Güte, das Gras schmeckt hier im Moor, so nennen sie diese Gegend hier, gar nicht so gut wie zum Beispiel bei Elisabeth im Alpenvorland. Aber das habe ich den Schafen nicht gesagt, das würde sie ja nur traurig machen. Naja, und wenn man sehr hungrig ist… nach einiger Zeit gewöhnt man sich auch an dieses Gras. Aber die elf Schafe, die sind eine sehr lustige Gruppe und selbst Lamberta und ich, die wir doch schon erwachsen sind, haben am Abend mitgespielt. Die Schafe haben gefragt, ob wir mit zum Berg kommen zum rauf- und runterrennen. Ich dachte an einen richtigen Berg und musste lachen, als ich den kleinen Hügel sah, der hier im Flachland ein Berg ist! Aber das Spiel hat Spaß gemacht. Sie haben hier eine kleine alte dicke Ziege, die eine echte Stimmungskanone ist. Diese Ida steckt alle an, so dass am Ende nicht nur die Lämmer, sondern alle Schaf und Ziegen hinauf und herunter rennen und Sprünge machen. Jolene, das älteste Schaf, hat uns alle vorgestellt und ich muss schon sagen: es gibt ein paar sehr hübsche Mädchen hier, zum Beispiel das kleine Fräulein Drachenzahn oder die schwarze Ricola. Mit Lamberta können sie natürlich trotzdem nicht mithalten! Lamberta allerdings findet leider auch Cedric und Campino sehr nett und cool. Die beiden sind sehr stolz auf ihre Mutter Carla Columna, von der es heißt, sie sei einmal ganz allein in Bremen spazieren gegangen. Alle Schafe kennen sich beinahe so gut wie wir aus mit der Welt, weil sie oft mit ihrem Hänger ausfahren. Davon erzählen sie gern und geben auch ein wenig an. Aber ansonsten gefällt es uns beiden sehr gut in ihrer Herde.“

Lamberta ergänzt: „Wir haben dann auch bei den Schafen übernachtet und haben uns wirklich wohl gefühlt, mal wieder in einer richtigen Schafherde zu sein. Am nächsten Tag gab es dann ‚Arbeit‘, wie die Schafe sagen: Beinahe eine ganze Herde Frauen kam auf die Weide und dann haben sie sich auf etwas Buntes gelegt, einige hatten die Augen zu. Das war ein bisschen doof, denn im Liegen können Menschen nicht so gut Schafe kraulen. Aber ganz gemütlich war es doch. Ganz prima war es aber, als noch einen Tag später Kinder zu uns kamen – die konnten uns sehr gut kratzen und kuscheln!“

Von Ziegen, Eseln und Schweinen

Endlich ist es so weit und Lamberta und Lambert können auch die anderen Tiere auf dem Glöckner-Hof kennenlernen. Das erste Tier, auf das sie treffen, ist die Ziege Trude, die die beiden erst einmal gründlich beschnuppert, bevor sie ein bisschen mit ihnen kuschelt. Sie stellt ihnen auch ihre Ziegenfreunde Bärli und Bilbo vor. Bärli ist zwar ein bisschen scheu und traut sich nicht, den fremden Besuchern so nahe zu kommen, wie Trude das tut, aber trotzdem ist sie sehr neugierig, was Lambert und Lamberta aus der großen weiten Welt zu erzählen haben.


Angelockt von dem Trubel kommen auch Filou und Pippin, die beiden Eselwallache, hinzu. Filou hatte gehofft, es gäbe etwas Leckeres zu fressen und ist ein bisschen enttäuscht, dass nur zwei kleine Schafe ohne Karotten oder andere Leckerli am Zaun stehen. Doch Pippin interessiert sich für die beiden Besucher: „Oh, ich wusste gar nicht, dass es hier so kleine Schafe wie euch gibt! Seid ihr neu hier?“ Lamberta erklärt: „Wir wohnen nicht hier, wir machen eine Reise! Wir besuchen Begegnungshöfe und wollen andere Tiere und Menschen kennenlernen. Gibt es hier etwa auch Schafe?“ „Ja, sie wohnen auf der Weide dort drüben. Aber schau, hier sind noch ein paar andere Tiere, die euch kennenlernen wollen!“ In diesem Augenblick kommt schon ein neugieriges Schwein auf Lamberta zu und schnüffelt eindringlich an ihr. Lambert, der doch etwas ängstlicher ist als seine Freundin, hält sich erst einmal hinter dem Zaun versteckt und beobachtet die Lage, doch das Schwein scheint ganz nett und harmlos zu sein. Es stellt sich vor: „Hallo, ich bin Trüffel, das hier ist meine Freundin Rosali, und wer bist du?“ Trüffel zeigt auf das etwas dunklere Schwein neben sich, die Lamberta freundlich anlächelt. Lamberta lächelt zurück und stellt sich und Lambert vor. Rosali ist ein ganz kuscheliges Schwein und lässt sich gleich auf die Seite fallen, damit Lamberta ihren Bauch streicheln kann. Die beiden verstehen sich richtig gut und kuscheln noch ein Weilchen miteinander, bevor Lamberta sich von Rosali und Trüffel verabschiedet: Sie möchte doch unbedingt noch die Schafe auf dem Hof kennenlernen.

Jeder Abschied ist der Anfang einer Reise

Seit Lambert in Lamahausen angekommen ist, ist schon etwas Zeit vergangen. Eigentlich wollte er gar nicht so lange an einem Ort bleiben, doch nachdem er Lamberta kennengelernt hat, konnte er sich nicht vorstellen, jemals an einem anderen Ort als sie zu sein. Zu seinem großen Glück hat Lamberta eingewilligt, mit ihm auf Reisen zu gehen! Jetzt, nachdem er Bekanntschaft mit den Tieren von Lamahausen gemacht hat, möchte Lambert gerne weiterziehen und Neues entdecken. Und auch Lamberta fühlt sich frühlingshaft abenteuerlustig. Also heißt es Abschied nehmen von den Menschen und den Tieren.

Die beiden kleinen Schafe machen einen großen Rundgang über den ganzen Hof: Sie fangen an bei den Lamas und Eseln auf der großen Weide. Leo Löwenherz reibt seine Nase freundschaftlich an Lamberta und bedenkt Lambert noch einmal mit einem strengen Blick: „Dass du sie mir ja wohlbehalten wieder zurückbringst!“

Weiter geht es mit den Ziegen. Lamberta schmiegt sich noch einmal an Merlin und Fidelma, die kleinen Zicklein, die gar nicht mehr so klein sind und schon fröhlich draußen herumspringen. Sicherlich werden sie schon richtig groß geworden sein, wenn Lamberta wieder zurück nach Lamahausen kommt!

Auch von den Alpakas verabschieden die beiden sich. Diego ist ein bisschen traurig, dass seine gute Freundin Lamberta nun für eine Weile nicht mehr in seiner Nähe ist, doch Lamberta tröstet ihn: „Jetzt wird es Sommer, und im Sommer passiert immer so viel in Lamahausen! Bestimmt erlebst du auch ganz viele spannende Dinge, und wenn ich wiederkomme, können wir uns gegenseitig von unseren Erlebnissen erzählen.“

Die Schweine Rudi, Toni und Frederik sind ebenfalls schon ganz gespannt, was Lambert und Lamberta zu berichten haben, wenn sie von ihrer Reise zurückkehren. Die Kaninchen sind entspannter: „So leckere Löwenzahnblätter wie hier gibt es bestimmt nirgendwo sonst.“ Und Hahn Fridolin kräht: „Haltet Ausschau, ob ihr einen Hahn trefft, der einen schöneren Weckruf hat als ich. Ich wette, das kann niemand!“

Die Menschen auf dem Hof streicheln Lamberta und Lambert noch einmal liebevoll zum Abschied. Mit ihnen verabschiedet sich auch das kleine Hunderudel. Josie wedelt aufgeregt mit dem Schwanz und ist hin- und hergerissen: „Das ist ja ganz schön spannend, was ihr zwei vorhabt. Ich würde auch gerne mitkommen und neue Leute kennenlernen. Aber ich würde mein Frauchen viel zu sehr vermissen!“

Den schwersten Abschied hat Lamberta sich bis zum Schluss aufgespart. Sie verabschiedet sich von ihrer Schafherde und verdrückt dabei ein kleines Tränchen. Doch die alte Ludmilla tröstet sie: „Das ist eine einmalige Chance, die du hier nutzt. Und du kommst ja wieder hierher zurück. Wir werden deine Reise am Computer verfolgen und uns mit dir freuen über alle schönen Dinge, die du erlebst. Und jetzt los, genießt eure Reise!“

So machen sich Lambert und Lamberta auf den Weg. Hofkatze Junia begleitet sie noch bis an den Waldrand, danach sind die beiden Schafe auf sich gestellt. Sie sind gespannt, was sie erleben werden!